Laufen mit Stöcken?. Mehr als ein müdes Lächeln hatte ich früher für diese Aussage nicht übrig. Also spazieren gehen mit Stöcken oder etwas moderner, sportlicher ausgedrückt „Nordic Walking“ war mir ja bekannt, aber ich dachte nur, „was genau haben jetzt die Stöcke mit Sport oder Laufen zu tun?“.
Nachdem ich dann die ersten Ultra Trail Videos gesehen habe konnte ich das erste mal einen sinnvollen Zusammenhang zwischen Laufen und Stöcken verstehen.
Da sowohl diese Läufer als auch Ihre Strecken jedoch recht wenig mit mir und meinen Laufgebieten zu tun haben kam ich bisher nie ernsthaft in die Versuchung mir selbst Stöcke anzuschaffen.
Durch Zufall bekam ich vor kurzem ein paar „TrekkingStöcke“ geschenkt und hab Sie zum Spaß natürlich auch mal ausprobiert.
Um meine ersten Erfahrungen mit den Stöcken geht es im folgenden Bericht.

Mein erstes Mal: Laufen mit Stöcken

Der Formbelt, ein echtes Must-have ???

die Stöcke

Stöcke zum Wandern, Nordic Walking oder Trail Running gibt es in unterschiedlichen Variationen und Preisklassen. In der Regel bestehen alle Stöcke aus Aluminium oder Carbon, wobei Carbon leichter und teurer ist und Aluminium etwas schwerer aber robuster. 
Außerdem gibt es Stöcke in festen Längen, verstellbare Stöcke mit Dreh- oder Klemmverschluss und faltbare Modelle mit 3 oder sogar 4 Segmenten.
In manchen Modellen sind auch Federn verbaut, welche eine Dämpfungsfunktion zum Schutz vor Schlägen bieten sollen.
Die Preise reichen dabei von unter 20€ für ein paar „Billigstöcke“ aus China (Lidl hatte schon Stöcke für 12,99€ im Angebot) bis zu knapp 200€ für die Spitzenmodelle der Markenhersteller wie z.B. Leki oder BlackDiamond.
Da ich die Stöcke zufällig geschenkt bekommen habe, konnte ich mir die obligatorische Recherche nach den passenden Modellen, den Vor-/Nachteilen der verschiedenen Systeme und den Stöcken mit den besten Preis-/Leistungsverhältnissen vorerst sparen.
Bei den Stöcken handelt es sich um 2 teilige Aluminium Stöcke mit Drehverschluss zur Längeneinstellung von der Marke EDH Eastdragon. Die Marke ist in China ein gar nicht so unbekannter „Billighersteller“, der Neupreis lag wohl so bei ca. 20€-25€ pro paar. 

Eigentlich wollte ich die Stöcke positiv bewerten und Anfängern zu einer Anschaffung von „billigen“ Stöcken raten. Da meine Stöcke aber nach einigen Läufen bereits den Geist aufgegeben haben, obwohl ich sie meiner Meinung nach gar nicht so viel belastet habe, kann ich euch nicht zur Anschaffung dieser EDH Stöcke raten

Neugier vs. Scham

Wenn ich jetzt schon Stöcke hatte wollte ich Sie natürlich auch ausprobieren, aber wenn mich jemand sieht. „Ich kann doch jetzt nicht auf dem Radweg mit den Stöcken herum laufen“, dachte ich mir. Ich entschloss mich also irgendwann einfach dazu die Stöcke an meinem Dynafit Enduro 12 Rucksack zu befestigen und mit dem Rad bis direkt zum Einstiegspunkt des Trails zu fahren.   

die Strecke

Da man Trailrunner meist nur mit Stöcken sieht wenn das Geländeprofil eher anspruchsvoll ist und auf dem Radweg meist nur Rentner mit Stöcken unterwegs sind, war schon einmal direkt klar das ein Test nur auf einem geeigneten Trail einen Sinn macht. Mir kam direkt der schöne Morscheider Grenzpfad in den Kopf, welcher auf 16km immerhin 670 Höhenmeter und ein paar knackige Anstiege bietet.

der Lauf

Natürlich hatte ich mir vor dem ersten Lauf einige Youtube Videos angeschaut, man sollte nämlich schon wissen welche Länge die Stöcke haben sollten und wie ungefähr ein Lauf mit Stöcken im optimalen Fall aussieht.
Die ersten Meter auf flacher Strecke waren mehr als merkwürdig, das einzige wobei die Stöcke mir helfen ist meinen Laufstil schön unsauber und ineffizient zu halten. Beim Versuch meine Arme wie gewohnt zu nutzen und die Stöcke dabei mit einzubinden stellte ich mir ziemlich schnell selbst ein Bein und hatte direkt keinen Bock mehr auf die Dinger. Den Trail wollte ich natürlich trotzdem weiterlaufen und da ich keine Lust hatte meinen Rucksack wieder auszuziehen um die Stöcke daran zu befestigen versuchte ich es also weiter mit den Stöcken und machte rasche Fortschritte. Bereits vor dem ersten Anstieg hatte ich den Rhythmus relativ gut drauf und stolperte nur noch sehr selten über die Stöcke :-).
Beim ersten Anstieg dauerte es eigentlich nur 1-2min. bis alle Stock Vorurteile von mir abfielen und ich mich fast schon ärgerte das ich mich so oft unnötig am Berg gequält habe.
Nach diesem Hochgefühl, den Berg so locker wie noch nie hoch zu laufen kam auch langsam etwas Spaß mit den Stöcken auf. Lässt man sich nämlich mal wirklich auf die zusätzliche Hilfe ein gibt es kaum eine Laufsituation bei der es nicht besser läuft als ohne Stöcke. Bergauf bewegt man sich wesentlicher müheloser und entspannter und bergab hat man mehr Kontrolle.
Den Morscheider Grenzpfad bin ich schon sehr oft gelaufen, noch nie war ich danach aber so entspannt und meine Beine so locker, OK, meine Arme waren dafür unnormal schwer und am nächsten Tag kaum noch zu heben. Schaut man sich dann die Zeiten an, bemerkt man recht schnell das man auch noch deutlich schneller unterwegs war als bei vorherigen Läufen ohne Stöcke. 

Gallerie

Fazit/Empfehlung

Bereits die ersten Minuten bergauf mit Stöcken haben meine ehemalige Meinung komplett geändert.

Ich werde mir definitiv in nächster Zeit ein paar hochwertigere, faltbare oder mehrteilig zusammenschiebbare Stöcke zulegen, damit ich Sie immer mitnehmen kann ohne das sie mich stören. Bei Läufen oder Wanderungen ohne Anstiege werde ich die Stöcke auch in Zukunft nicht nutzen, weil sie dort einfach keinen Mehrwert bieten. Beim Training im Wald nutze ich die Stöcke zwischendurch immer mal wieder um den Umgang damit zu üben und auch meinen Oberkörper etwas stärker zu trainieren. Bei längeren Wanderungen oder längeren Läufen im Wald oder auf Trails mit ordentlich Höhenmetern sind meine Stöcke jetzt eigentlich immer mit dabei und nicht selten retten sie die müden Beine über die letzten Kilometer.

Ich kann also, wie so oft, wieder jedem nur raten alles mögliche vorbehaltslos auszuprobieren. Das gilt für Schuhe, Kleidung und Technik genau so wie auch für die Stöcke. Und nicht gleich beim ersten Stolperer aufgeben.  

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