Für viele Läufer sind Wettkämpfe einfach das Größte. Egal ob Amateur oder Profi, der Wettkampf ist das Ziel und das Training der Weg. Oft richtet sich die komplette Jahresplanung nach bestimmten Wettkampfterminen. Der Wettkampf ist der Ort an dem man die Früchte seines harten Einsatzes ernten kann.

Bei mir sieht die Sache da zum Erstaunen vieler Laufkollegen absolut anders aus. Immer wieder werde ich  gefragt warum ich so wenige Wettkämpfe laufe.

Eines noch Vorweg, ich habe keine attestierte Prüfungsangst als Ausrede. Ich habe einen Schulabschluss und 2 abgeschlossene Berufsausbildungen.

 
Warum ich laufe

Der Grund aus dem ich laufe lässt sich bei mir nämlich absolut nicht mit Wettkämpfen vereinbaren. Ich laufe natürlich aus mehreren Gründen, der wichtigste Grund ist aber ganz klar, weil es mir Spaß macht. Weitere Gründe sind die Ruhe und die Freiheit welche man besonders im Wald genießen kann. Eher Nebensache ist da der gesundheitliche Aspekt und Erfolge oder Siege zu erlaufen ist auch kein Thema. Ich trainiere auch nicht nach einem festen Plan, sondern nach Zeit und Laune.

 
Das Leben ist Wettkampf genug

Die meiste Zeit vom Beginn unseres Lebens befinden wir uns irgendwie im Wettkampf auch wenn wir es nicht merken. Wir alle haben sogar schon mind. einen Wettkampf gegen Millionen andere gewonnen und das Leben war die Siegprämie. Egal ob in der Schule, im Sportverein oder einfach auf der Straße, alles ist ein Wettkampf. Es geht um die besten Noten, das beste Aussehen, die besten Besitztümer, den besten Job oder die schönste Frau. Dieser Wettkampf endet nie, denn was kommt nach dem Wettkampf, genau der nächste Wettkampf. Habe ich mir z.B. bei der Jobsuche den Sieg erkämpft beginnt schon das nächste Rennen, nämlich den Job durch Leistung auch zu verteidigen. Genauso verhält es sich mit Frau, Familie oder Freunden. Das Einzige was diese Wettkämpfe für einige Zeit vergessen lässt und ich niemandem etwas beweisen, mich rechtfertigen oder erklären muss, ist während dem Laufen.

 
So erlebe ich Vorbereitung und Wettkampf

Noch vor der eigentlichen Anmeldung zu einem Wettkampf wird mir die Flexibilität und Freiheit, welche ich am Laufen so liebe, genommen. Der Termin ist fest und muss eingeplant werden, ebenso sind die Streckenlänge und der Streckenverlauf vorgegeben. Da ich im Training eigentlich immer mit GPS unterwegs bin und manchmal auch auf vermessenen Strecken laufe, kenne ich meine Leistung bzw. Pace recht genau. Für den Wettkampf nehme ich mir natürlich max. diese Pace als Zielzeit und mache mir selber Druck. Der Wettkampftermin ist bereits Wochen vorher in meinem Kopf und obwohl ich weiß, dass ich niemandem etwas beweisen muss verursacht das bei mir ordentlich Stress. Je näher der Wettkampf rückt, desto stärker wird mein selbstverursachter Stress. Spätestens am Wettkampftag hat der Stress endgültig meinen nervösen Magen erreicht und meine Blase auf minimal Größe geschrumpft. Der Tag beginnt also mit vielen Toilettengängen und das Körpergefühl ist eigentlich gar nicht auf Laufen eingestellt. Während des Wettkampfs läuft dann meist auch einiges nicht wie geplant und das Ergebnis ist immer frustrierend selbst wenn die Zeit eigentlich OK ist.

 
Wettkämpfe als Zuschauer

Also nicht das Ihr jetzt denkt ich mag keine Laufveranstaltungen, ganz im Gegenteil. Bei Laufveranstaltungen kommen hunderte oder sogar tausende gut gelaunte, sportliche Menschen zusammen, die alle die gleiche Leidenschaft teilen. Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen oder Festivals, wo sich zwar auch Menschen mit gleichen Interessen treffen, wird bei Laufveranstaltungen die Stimmung aber auch nicht durch alkoholisierte Krawallbrüder beeinflusst.
Ein weiteres Highlight von Laufveranstaltungen, besonders für Uns aktive SocialNetwork Nutzer ist, dass man immer wieder Gesichter sieht, welche man  Facebook Profilen zuordnen kann mit denen man sich schon unterhalten hat und die man beinahe täglich sieht. Das vermittelt einem irgendwie ein vertrautes Zuhause Gefühl obwohl man vielleicht persönlich gar keinen kennt.
Ohne die ganzen Rahmenbedingungen/Rahmenprogramme finde ich, besonders Straßen Läufe als reiner Zuschauer übrigens ungefähr so spannend und sehenswürdig wie Golf, also nicht gegen Golfer :-).

 

 
Nochmal als direkte Gegenüberstellung

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Freies Laufen
– kein fester Termin
– keine feste Distanz

– keine feste Laufstrecke
– kein Druck, keine Zielzeitvorgabe
– trotz Anstrengung einfach entspannend

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Wettkampf
– Termin ist fix
– Distanz ist fix

– Laufstrecke ist fix
– Konkurrenzdruck, eigene Zielzeitvorgabe
– Spannung schlägt mir auf den Magen

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Ich und die Wettkämpfe in der Zukunft

Viele Menschen sind der Meinung die Ruhe und Gelassenheit kommt mit der Wettkampferfahrung und das klingt auch für mich relativ logisch, denn mit meiner Handvoll Wettkämpfen bin ich alles andere als ein erfahrener Wettkampfhase. Das Problem sind nur die vielen, evtl. auch sehr, sehr vielen anstrengenden Wettkämpfe bis ich die Routine oder Normalität erreiche und die Wettkämpfe evtl. genauso oder sogar noch mehr genießen kann als meine Trainigsläufe. 

 

 

2 Kommentare

  1. Du hast wirklich Recht mit deinem Artikel. Mir geht es eigentlich ganz genauso wie dir. Besonders Magen und Blase…Trotzdem nehme ich gerne an Wettkämpfen teil, weil es neue Spannung und Herausforderung ins Leben bringt und man daran wächst, auch für das normale Leben. Den Druck den man sich macht, kann auch anspornend sein. Aber meine Frau sagt auch das Selbe wie du. “ Warum machst du dir selber so ein Stress“
    LG Daniel

    • Ich glaube so geht es sehr vielen Läufern, wobei die Meisten dann so damit umgehen wie du und trotzdem Wettkämpfe laufen. Also nach einem Wettkampf fühle ich mich auch sehr gut und ich glaube auch das man daran wachsen kann (nicht nur konditionell), aber positiven Stress gibt es leider für mich nicht :-). VG Patrick

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